Die Rolle von Rücknahmeautomaten für Mehrwegsysteme

Die Rolle von Rücknahmeautomaten für Mehrwegsysteme

Die Rolle von Rücknahmeautomaten für Mehrwegsysteme

Ansätze zur Müllvermeidung

Laut einer Erhebung der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung fielen in Deutschland im Jahr 2017 für Einweggeschirr und To-go-Verpackungen mehr als 346.000 Tonnen Abfall an. Die Bundesregierung verschärft daher zunehmend Ihre Maßnahmen zur Vermeidung von Einwegverpackungen – unter anderem durch eine Anpassung des Verpackungsgesetzes. Seit diesem Jahr gilt bereits ein Verkaufsverbot für Einwegplastikprodukte wie Strohalme oder Einweg-Geschirr. Ab 2023 müssen alle gastronomischen Betriebe, verpflichtend Mehrwegbehälter als Alternative zu Einwegverpackungen für Essen und Getränke anbieten. Schließlich ist es im Sinne der Umwelt besser, Verpackungen mehrfach zu nutzen, statt sie nach Gebrauch sofort zu entsorgen. Doch wie kann eigentlich ein effizientes Mehrwegsystem aussehen und wieso spielen Rücknahmeautomaten eine wichtige Rolle für dessen Umsetzung?

Infografik: Abfallaufkommen Deutschland 2017

Infografik: Abfallaufkommen in Deutschland 2017 (Quelle: Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung)

Wie funktioniert ein Mehrwegsystem?

Mehrwegsysteme sind ein praktisches Beispiel für eine Kreislaufwirtschaft. Anstatt Verpackungsmaterialen nach der Benutzung wegzuwerfen, sollen diese im Sinne der Ressourcenschonung und dem Schließen von Materialkreisläufen wiederverwendet werden. Dabei ist es egal, ob es sich um den Mehrwegbecher aus Polypropylen oder die Mehrwegflasche aus Glas handelt – bei jeder Wiederbenutzung werden Ressourcen gespart, die sonst zur Herstellung einer neuen Verpackung aufgewendet worden wären. Das macht Mehrwegsysteme zu echten Klimaschützern.

Für Gastronomen bedeutet die Einführung von Mehrwegverpackungen, dass zunächst ein Kontingent an wiederverwendbaren Verpackungen (z.B. Coffee-to-go Becher oder Salatbowls) angeschafft werden muss. Dafür haben sich in den letzten Jahren immer mehr Hersteller am Markt positioniert (z.B. FairCup oder Recup). Diese Mehrwegverpackungen müssen nach der Benutzung durch den Kunden wieder eingesammelt und anschließend gespült werden.

Damit Kunden einen Anreiz haben, Ihre benutzten Verpackungen auch wieder zurückzubringen, sind diese in der Regel mit einem Pfandwert belegt. Die Rücknahme der benutzten Becher oder Schalen kann entweder durch das Service- und Verkaufspersonal oder aber durch einen Leergut- bzw. Rücknahmeautomaten erfolgen.

Grafik Mehrwegsystem Kreislauf

Kreislauf einer Mehrwegverpackung im Rahmen eines Mehrwegsystems

Was ist ein Rücknahmeautomat?

Ein Rücknahmeautomat (oder Leergutautomat) dient der vollautomatischen Rücknahme von leeren Lebensmittelverpackungen wie z.B. Getränkebehältern oder Essensboxen. Sie können überall dort aufgestellt werden, wo eine automatisierte Leergutrücknahme das Personal entlasten soll. Zudem können Sie als zusätzliche Rückgabepunkte an öffentlichen Stellen eingesetzt werden. Rücknahmeautomaten müssen die eingegebenen Verpackungen verifizieren – also sicherstellen, dass diese zur Rückgabe berechtigt sind – und anschließend in einen Sammelbehälter befördern. Der Kunde bekommt dann vom Automaten den Pfandwert der zurückgegebenen Verpackungen ausgezahlt. Der Pfandwert und dessen Auszahlung können dabei je nach Anwendungsfall unterschiedlich aussehen. Theoretisch kann mit einem Rücknahmeautomaten jede erdenkliche Art von Verpackung zurückgenommen werden.

insensiv Rücknahmeautomat

Rücknahmeautomat für Lebensmittelverpackungen der Firma insensiv

Welche Vorteile bietet ein Rücknahmeautomat für Mehrwegsysteme?

Mehrwegsysteme gehen zwangsläufig mit einem Mehraufwand für alle Beteiligten einher: Verbraucher müssen benutzte Verpackungen wieder zurückbringen und Gastronomen müssen diese wieder einsammeln und spülen. Werden gebrauchte Becher oder Schalen an der normalen Verkaufskassen zurückgenommen, kann dies zu längeren Schlangen und einer Bindung des Verkaufspersonals führen.

Wartezeiten wirken sich dabei nicht nur negativ auf die Kundenzufriedenheit aus, sondern können auch potenzielle Kunden abschrecken, die sich z.B. in einer Bäckerei nur schnell einen Kaffee mitnehmen wollen. Zudem ist es häufig aus hygienischen Gründen gar nicht erlaubt, benutzte Verpackungen am selben Ort zurückzunehmen, an dem auch Lebensmittel ausgegeben werden.

Rücknahmeautomaten können hier dafür sorgen, das Verkaufspersonal zu entlasten und den Rückgabeprozess abseits des Point of Sale zu verlagern. Wartung und Leerung des Automaten können durch das Personal zudem zu einem beliebigen Zeitpunkt durchgeführt werden. Für Kunden ist die Nutzung des Automaten einfach und weniger zeitaufwendig, da kein Anstehen an der Kasse erforderlich ist.

Gerade in Deutschland sind die meisten Menschen durch das im Jahr 2005 eingeführte Einwegpfandsystem mit der Nutzung von Leergutautomaten im Supermarkt vertraut. Zudem ist eine Aufstellung von Automaten im öffentlichen Raum (z.B. an Bushaltestellen oder Bahnhöfen) möglich, sodass zusätzliche Rückgabepunkte für ein flächendeckendes Mehrwegsystem entstehen. Denn wer will schon seinen benutzten Mehrwegbecher bis zum nächsten Besuch am Ort des Kaufes mit sich herumschleppen?! Automatisierte Rücknahmelösungen bieten somit nicht nur Vorteile für den Gastronomen, sondern tragen potenziell zu einer höheren Akzeptanz des Mehrwegsystems durch den Kunden bei.

Rücknahmeautomaten im Supermarkt

Rücknahmeautomaten im Supermarkt: Neben dem Leergutautomaten für Pfandflaschen, steht in dieser Filiale auch ein Rücknahmeautomat für Mehrweg-Essensboxen

Welche Herausforderungen bringt eine automatisierte Rücknahme mit sich?

Gerade Mehrwegverpackungen sind häufig mit einem hohen Pfandwert belegt, da sie in der Produktion deutlich teurer sind als beispielsweise Verpackungen aus Einwegplastik. Ein hoher Pfandwert animiert Kunden zwar eher dazu Ihren Becher zurückzubringen, stellt aber auch einen größeren Manipulationsanreiz dar.

Gerade Automaten, die ohne Aufsicht durch das eigene Personal an öffentlichen Plätzen aufgestellt werden, sind dabei anfällig für Manipulationsversuche. Diese haben in der Regel zum Ziel, auf illegale Weise an den Pfandwert zu gelangen. Daher kann es sinnvoll sein, das Pfand nicht als Bargeld auszugeben, sondern z.B. einen virtuellen Rabatt in einer App gutzuschreiben. Dieser könnte dann für einen neuen Becher oder einen anderweitigen Einkauf beim einem der Systempartner eingelöst werden.

Entscheidend ist allerdings, dass Rücknahmeautomaten sicherstellen können, dass der Pfandbetrag nur für pfandhaltige Verpackungen ausgezahlt wird. Irrtümlich oder missbräuchlich eingeworfene Verpackungen oder Objekte, die vom Betreiber nicht akzeptiert werden, müssen vom Automaten entsprechend abgewiesen werden. Dabei sind ganz unterschiedliche Methoden zur Verifizierung der zurückgebrachten Verpackungen denkbar.

Für öffentliche Rückgabepunkte muss zudem mit einem zusätzlichen Service- und Wartungsaufwand kalkuliert werden. Schließlich sollten die aufgestellten Rücknahmeautomaten regelmäßig geleert und gereinigt werden. Zudem müssen die eingesammelten Verpackungen entweder zurück zum Inverkehrbringer (also z.B. dem Gastronomiebetrieb) oder aber einem Spüldienstleister transportiert werden. Bei der Platzierung von Automaten an zentralen öffentlichen Knotenpunkten, gilt es zudem Aufstellgenehmigungen der zuständigen Behörden einzuholen und etwaige Sicherheitsrichtlinien für den Aufstellort zu beachten.

Fazit

Für ein effizientes und flächendeckendes Mehrwegsystem, dass auf Akzeptanz der Verbraucher stößt, ist der Einsatz geeigneter Rücknahmeautomaten unumgänglich. Diese müssen jedoch zwangsläufig über eine zuverlässige Technologie zur Erkennung eingegebener Verpackungen verfügen, um die Manipulationsanfälligkeit des Systems zu minimieren. Zudem sollten flexible Möglichkeiten zur Ausgabe des Pfandwertes gegeben sein. Eine beispielhafte Umsetzung ist seit 2019 in Wien zu beobachten. Dort sind im Zuge des Projektes myCoffeeCup über das Stadtgebiet verteilt, Rücknahmeautomaten für Kaffee-Mehrwegbecher an zentralen Punkten wie U-Bahnstationen aufgestellt worden. So soll die Zahl von 84 Millionen jährlich weggeworfenen Einwegbechern reduziert werden. Coffee-to-go und Take-away können also auch nachhaltig, ohne Müll und ohne enorme Ressourcenverschwendung funktionieren…

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